Autos

Hier wechselt ein Auto nur alle 18 Jahre seinen Besitzer

Es ging gut: Dank einer perfekten Organisation, die die Automasse in fünf Gruppen aufteilte und über fünf verschiedene Kurse jagte, vermengte sich die Meute der Autoliebhaber aus allen fünf Kontinenten zu einer multikulturellen Melange, die dem ewigen Geklapper der Ein- und Auslaßventile immer neue Aspekte abgewinnen konnte.

Der japanische Autosammler mit einem in Neuseeland ausgeliehenen „Lancia“, der einst in Argentinien ausgeliefert worden war, traf den Mann aus Südafrika mit einem „AC“ aus Großbritannien. Der Mann aus Florida zeigte seinen frisch eingeflogenen „Lincoln“ von 1939 den acht Mitgliedern des „Bentley Drivers Club“, die ihre Pretiosen aus England herangeschafft hatten. Dazwischen röhrte und blubberten die Motorräder der Australier. Und mitten im Geschehen: die drei Modelle aus dem Werksmuseum in Untertürkheim. Eben, die Mercedes Oldtimer.

Um und zwischen diesen „Bean“-, „Franklin“- und „Vincent“- Modellen tummeln sich die „Bugattis“, „Stoewer“ und „Invitas“ aus Neuseeland. Warum das Land Oldtimer in Fülle aufweist, zumeist perfekt restauriert? „Viele Jahre durften wir keine neuen Wagen importieren. Oder die Steuerbelastungen waren so hoch, das sich nur wirklich Reiche einen leisten konnten“, erklärt der stolze Besitzer eines wunderschönen „Lincoln Zephir V12“, dessen verchromte Scheinwerferumrandungen einen Ehrenplatz in jeder Art Deco- Sammlung verdient hätten.

„Hier bleibt ein Wagen durchschnittlich 18 Jahre in einer Familie, bevor er den Besitzer wechselt.“ Damit ist ein Mercedes Fahrzeug schon ein Mercedes Youngtimer, bevor er den ersten Besitzer gewechselt hat. Eine Zeitspanne, die sich mittlerweile rasch verkürzt, da die Japaner Neuseeland als idealen Markt für ihre überzähligen Mercedes Gebrauchtwagen entdeckt haben.

Hatte uns bereit die Anfahrt von dem größten Binnensee Neuseelands, dem hinreißend in die Hügel hineingezauberten Lake Taupo, nach Palmerstone North einen ersten Geschmack auf die Schönheit dieses Landes geschenkt, so begegneten uns „Pan Pacific Rallye“- Teilnehmern auf fünf Touren um den Rallyeort herum, weitere, völlig unterschiedliche Welten: In Foxton Beach lockte die Weite der Tasmanischen See. Wanganui – „die Stadt mit dem besten Klima Neuseelands“ – überraschte mit subtropischer Wärme. So ergab sich hier ein besonders harter Mercedes Test.

Und am Ende der Mount Bruce- Route, mit ihren schmalen ungeteerten Paßstraßen, ließ der Nationalpark mit seinen meterhohen Farnwäldern und den letzten Exemplaren nahezu ausgestorbener Vogelsorten ahnen, was für eine eigenständige und unvergleichbare Fauna dieses Land dereinst überzogen hatte – bevor Europäer 1769 ihren Fuß auf das Land der Maoris gesetzt hatten und in ihrem Schlepptau Hunde und Katzen, Schweine, Ratten und das Opossum mit sich brachten. 35 Säugetierarten, ebenso viele Vogelspezies und 560 neue Pflanzenarten hatten die weißen Siedler in ihrem Gepäck – Tiere und pflanzen, denen die einheimische Fauna nichts entgegen zusetzten hatte.

Autor: J. Klostermann v. wupdes.de